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Überlebenskünstler

2010 March 15
Posted by m.krammer

Nur langsam hat die Wissenschaft Einblick in das Leben der Termiten gewonnen und damit auch Möglichkeiten zur Bekämpfung dieser Schädlinge erkannt. Ihre Wühlarbeit geschieht vollständig geräuschlos und unsichtbar. Während sich etwa die Holzwürmer durch Löcher und Sägemehl verraten, hinterlassen die Termiten keinerlei wahrnehmbare Spur. Stößt ein Tier versehentlich ein Loch nach außen, so wird es unverzüglich und sehr sorgfältig wieder verschlossen. Unvermutet stürzt dann ein unterhöhlter Teil zusammen. Wer aber glaubt, damit wäre auch das Versteck der Tiere gefunden, täuscht sich. Die Termiten wittern offenbar die Gefahr und ziehen sich rechtzeitig in sichere Schlupfwinkel zurück.
Termiten sind von einer einzigartigen Zähigkeit. Selbst wenn jede Rückzugsmöglichkeit zu fehlen scheint, finden sie einen Ausweg. Da sollte beispielsweise in Kansas City ein von den Termiten befallenes Haus vernichtet werden. Kurz zuvor kam eine Überschwemmung, die das ganze Gebäude bis zu dem Dach unter Wasser setzte, und der Besitzer war überzeugt, dass durch diese Naturkatastrophe das Bauwerk von der Plage befreit sei. Groß war daher seine Enttäuschung, als er nach wenigen Wochen feststellen musste, dass sich die Tiere tief unter den Schlamm zurückgezogen und sich so gerettet hatten. Aus Amerika wird berichtet, dass selbst Dynamitsprengungen Termitenvölker nicht zu töten vermochten. Ebenso haben sich rein chemische Vernichtungsmittel bislang als nutzlos erwiesen, weil die Termiten den Gasen wie den Flüssigkeiten rechtzeitig ausweichen.
Zuweilen bezeichnet man die Termiten auch als weiße Ameisen — wohl wegen der hellen Farbe. Ihr Aussehen passt sich jedoch meist der jeweiligen Bodenfarbe an. Je nach ihrer Familienzugehörigkeit werden die Tiere drei bis zwölf Millimeter lang; sie erreichen also die Größe unserer kleinen Hausbienen und sehen äußerlich den Ameisen ähnlich. Sie sind aber blind und bleiben meist im Dunkel der Erde oder im Verborgenen von Baumstämmen und Nestern, ohne im Allgemeinen jemals die warme und feuchte Finsternis zu verlassen. Sie kommen zur Welt, leben und sterben, ohne das Tageslicht erblickt zu haben. Für den Lebenskampf ist die Termite deshalb nicht besonders ausgerüstet. Sie hat weder den Stachel der Biene noch den Chitinpanzer der Ameise. Meist ist sie flügellos. Aber ihr Instinkt macht sie vielen Tieren überlegen.

Die Nester

2010 March 9
Posted by m.krammer

Ihre Lebensgewohnheiten zu studieren, ist sehr schwer. Ein Termitennest läßt sich kaum aufbrechen. Seine „Kuppel” bildet ein „Zement”, der nur mit Pulver gesprengt werden kann. Einige Arten leben in Baumstämmen, die sie nach allen Richtungen bis zu den Wurzeln aushöhlen. Andere bauen ihre Nester in das Geäst der Bäume. Die meisten Termiten aber hausen in der Erde; zuweilen wächst dann der typische Termitenhügel mehrere Meter über den Boden. In einem solchen, manchmal bis zu acht Meter Höhe aufragenden Turm oder Pilz leben Millionen Tiere, nach „Kasten” aufgeteilt, in einem streng geordneten Staatssystem: den „Arbeitern” obliegt die wichtige Aufgabe, den Staat zu ernähren. Sie allein beherrschen die Kunst zu essen, zu verdauen und die anderen Tiere zu füttern. Die „Krieger” oder „Soldaten” schützen die Termitennester bei Angriffen von außen und halten auch im Innern die Ordnung aufrecht. Ihre Brust ist gepanzert, und in den weiten Kiefern besitzen sie eine gefährliche Waffe. Man hat festgestellt, dass sie sogar Alarmsignale geben, sich also nicht nur durch die Fühler verständigen können. Die Aufgabe der’ Fortpflanzung fällt dem „Königspaar” zu. Es ist auf Lebenszeit in eine Zelle gesperrt, die meist mit vielen schmalen Gängen und Kammern den Kern des Nestes bildet. Der König ist klein und scheu. Die Königin dagegen kann die Größe eines Fingers erreichen und legt durchschnittlich alle zwei Sekunden ein Ei. Das sind viele Millionen Eier im Jahr. Während ihres vier- bis fünfjährigen Lebens darf die Königin diese Legetätigkeit niemals unterbrechen, denn sobald sie nachlässt, entziehen ihr die Arbeiter die Nahrung. Sie verhungert dann und wird durch eine neue Königin ersetzt.

Termiten auch in Europa

2010 March 6
Posted by m.krammer

In den letzten Jahrzehnten haben sich nun die Meldungen gehäuft, dass auch in Europa Termiten auftauchen. Zuerst wurden in südlichen Ländern die Schädlinge festgestellt. Unaufhaltsam wandern sie seitdem vorwärts. In Italien lag noch vor drei Jahren die nördliche Grenze des Termitenbefalls etwa im Gebiet der Toskana, also in der Gegend von Florenz. In Rom waren vereinzelte Herde bekannt. Südlich der Hauptstadt aber, in der Provinz Calabrien und besonders auf Sizilien, hatten die Termiten nicht viele der bedeutenden Bauwerke verschont. Die großen Bibliotheken, Archive, Museen, Kirchen und Paläste waren ihnen als besonders geeignete Angriffsobjekte erschienen. Heute kommen Alarmrufe auch aus den nördlichen Gebieten.
Ligurien, das Küstenland bei Genua, und La Spezia melden Termiten. Und sogar in Venetien ist das Staatsarchiv bedroht. Selbst die weite Wasserfläche der Lagune konnte die Inselstadt nicht vor einer Invasion bewahren.
Sehr ähnlich ist es in Spanien. Viele alte und berühmte maurische Kulturdenkmäler sind hier befallen und zum Teil so zerfressen, dass an eine Rettung kaum mehr gedacht werden kann. Bis in das Herz der spanischen Hauptstadt sind die Termiten eingedrungen. Auch im Escorial, der alten Königsburg Philipps II. und Grabstätte vieler spanischer Könige, wurden letzthin Termiten entdeckt. Die Nachricht von dem Auftreten der Tiere in Frankreichs Metropole Paris erregte in der ganzen Welt Aufsehen. Sie wurden in weit auseinander liegenden Stadtteilen, in Passy, dem Quartier latin und am bekannten Boulevard Saint-Michel, aufgefunden. Ja sogar in Deutschland sind ihre Vortrupps eingedrungen. In Hamburg hatten sie in verschiedenen Vororten Fuß gefasst, darunter auch in Altona, wo einzelne Häuser als Termitenherde festgestellt wurden.

Termiten im Vormarsch

2010 March 2
Posted by m.krammer

Termiten haben zum Angriff auf Europa angesetzt. Die so genannten Zerstörer, eine der gefürchtetsten Gruppen unter den Schädlingen, sind von verschiedenen Seiten vorgedrungen. Immer wieder hat man die Gefahr als geringfügig hingestellt und davon gesprochen, dass nur vereinzelte Termiten eingeführt worden seien; sie wären auf die Dauer hier nicht lebensfähig. Man hat auch über zuverlässige Vernichtungsmittel berichtet. Aber alle diese Behauptungen haben nichts daran zu ändern vermocht: Termiten stehen heute am 43. Breitengrad — Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland sind bedroht.
Wo Termiten leben, richten sie furchtbare Verwüstungen an: Häuser stürzen ein, nachdem sie vom Erdgeschoß bis zum Dach zernagt sind. Möbelstücke fallen zusammen, Kleider, Stiefel, Holz und Papier werden von innen heraus vernichtet. Nichts scheint vor ihnen sicher. Geradezu unheimlich aber ist, dass dies alles ganz im Verborgenen vor sich geht und man es erst im Augenblick der Katastrophe bemerkt. Vor allem aus überseeischen Ländern haben wir Berichte von blitzartigen Zerstörungswerken: So erzählt man von St. Helena, dass dort zwei Polizisten im Schatten eines riesigen, dichtbelaubten Meliabaumes standen. Einer der beiden lehnte sich leicht an den Stamm, der gewaltige Fieberbaum., im Innern bereits zu Staub zerfressen, fiel zusammen und begrub beide unter seinen Trümmern. Da ließ in Queensland ein Farmer am Abend auf einer Wiese seinen Karren stehen. Am nächsten Morgen fand er nur noch die Eisenbeschläge vor. Bekannt ist auch die Geschichte von einem Pflanzer, der nach sechs Tagen Abwesenheit in sein Haus zurückkehrte: Alles schien intakt, nichts war verändert. Er setzte sich auf einen Stuhl, der Stuhl brach ein. Er hielt sich am Tisch fest, der Tisch fiel zusammen. Er stützte sich an den Tragpfeiler, der Tragpfeiler stürzte um und riss das Dach in einer Staubwolke mit sich. Alles schien wie in einer Zauberposse von einem neckischen Troll angezettelt. Und doch sind diese phantastisch klingenden Berichte keine Dichtung, sondern reine Wahrheit.